Wulff – so oder so!

Die Seite zwei der ZEIT ist die meistgelesene unter Politikern. Dort findet sich in jeder Ausgabe die Worte der Woche. Sie sind vergleichbar mit der “Gewinner/Verlierer”-Spalte der BILD. Der Rest der Seite ist oft von geringerem Interesse, weil sich wichtige politische News ohnehin selten in einem Wochenblatt finden. Und wenn doch, dann auf der Titelseite. Heute ist das anders. Die Seite zwei werden zwei Politiker mit besonderer Aufmerksamkeit registriert haben, wegen eines Interwiews, das Christian Wulff dort gab. Diese zwei Politiker sind Angela Merkel und Sigmar Gabriel.

“Mit mir ist auch dann weiter zu rechnen, wenn ich nicht Bundespräsident werden sollte.”

Und es stimmt. So oder so wird Wulff nach dem 30. Juni einer der maßgeblichen Player im politischen Berlin sein. Das steht heute schon fest. Dabei sind zwei Szenarien denkbar:

Szenario 1: Wulff wird von der Bundesversammlung gewählt.
In diesem Fall wird Christian Wulff – auch das ist seinem Interview zu entnehmen – ein dezidiert politischer Bundespräsident sein. Die unmittelbare Gewinnerin hieße in diesem Fall jedoch Angela Merkel. Sie hätte eine der schwersten Krisen dieser Koalition überstanden und würde die Union wohl auf absehbare Zeit dominieren. Wulff entzöge sich dieser Dominanz mit seinem Umzug ins Schloß Bellevue. Dies ist der einzige Ort, den Angela Merkel nicht dominieren kann, wenn es der Bewohner nicht zulässt. Er (der Bewohner, in diesem Fall Christian Wulff) könnte dagegen sie ( die Kanzlerin) durch Reden mächtig ärgern. So wie einst Weizsäcker Kohl ärgerte. Wer Christian Wulff kennt, weiß was Angela Merkel bevorsteht.

Szenario 2: Wulff wird nicht zum Bundespräsidenten gewählt.
In diesem Fall kann sich Angela Merkel “politisch in die Spree stürzen”, wie es Robert Leicht, Herausgeber der ZEIT formuliert hat. Es wäre vor allem ihre Niederlage. Sie hat durch fehlende Rückendeckung Horst Köhler in den Rücktritt getrieben. Und sie hätte es nicht geschafft, den Unionskandidaten ins Amt zu bringen. Die Union würde dies niemanden verzeihen. Erst recht nicht Angela Merkel.
Das folgende Machtvakuum an der Spitze der CDU würde aus dem Kreis der Ministerpräsidenten gefüllt werden. Keiner hätte dort eine bessere Position als Christian Wulff. Er ist der Kandidat der Union für das Amt des Bundespräsidenten. Und er ist einer der wenigen nach dem Rückzug von Roland Koch verbliebenen bundesweit profilierten Köpfe. Er wäre der Gegenspieler Sigmar Gabriels, der schon in Hannover sein Kontrahent war – und den er dort besiegte.

So oder so: Christian Wulff wird nach dem 30. Juni ein vertrautes Gesicht in der Politik bleiben. Von Angela Merkel ist dies nicht gewiß!

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