Zünglein an der Waage

Oft ist die FDP gescholten worden, das berühmte Zünglein an der Waage zu sein, der “Mehrheitsbeschaffer” in allen politischen Lebenslagen. Diese im Grunde komfortable Ausgangsposition hat sich etwas verschoben. Mit Blick auf die bevorstehende Berlin-Wahl und die nicht mehr allzu lange in der Zukunft liegende parlamentarische Entscheidung über die (weitere) Hilfe für Griechenland könnte die FDP jedoch wieder genau ihrer alten Rolle gerecht werden.

Zum einen liegt die FDP in Berlin kurz vor der Landtagswahl soweit unter der 5%-Hürde, dass ihr kaum noch jemand den Einzug ins Abgeordnetenhaus zutraut. Da könnte manch ein potenzieller FDP-Wähler geneigt sein, die eigene Stimme nicht “verfallen” zu lassen, sondern sie z.B. auf die Union umzushiften. “Mehrheitsbeschaffung” einmal anders herum – okay, bei diesen Prozentzahlen groß von Mehrheiten zu sprechen, ist gewagt, aber immerhin!

Zum anderen – und das hätte u.U. tatsächlich bundespolitische Auswirkungen – könnte ein Berliner FDP-Ergebnis, das die Hürde nicht einmal in Sichtweite kommen läßt, zur Folge haben, dass die “Schäffler-Truppen” (Gegner der Griechen-/Eurorettung) stärker werden und weit mehr FDP-Abgeordnete Ende des Monats der Kanzlerin die Mehrheit verweigern, als ihr lieb ist und der Regierungskoalition gut tut. Getreu dem Motto: “Jetzt gehen wir sowieso den Bach runter, dann wenigstens erhobenen Hauptes.”

Interessant ist zudem, dass man im Ausland in erster Linie darauf schaut, wie verhält sich Deutschland in der Frage Euro/Griechenland. Um Griechenland, über das jeder spricht, geht es den internationalen Euro(pa)-Beobachtern gar nicht. Das haben die längst abgeschrieben. Es steht also ein durchaus spannendes Wochenende bevor.

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